Heiko Müller: Umsetzung des SX-Bahn-Konzeptes fraglich

Verkehr

Im Dezember 2006 wurde in Falkensee das Konzept einer SX-Bahn vorgestellt. Die Autoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Bahntechnik in Berlin, schlagen mit ihrem Konzept eine Alternative zu Regionalbahn und S-Bahn für zwei Bahnlinien in Berlin und Brandenburg vor.

Eine dieser beiden Bahnlinien umfasst auch den Bereich zwischen Nauen und dem Berliner Zentrum. Die SX-Bahn soll bei den Fahrzeugen einer S-Bahn ähneln, dabei aber die Regionalbahngleise nutzen. Heiko Müller: „Die Teilnehmer der Veranstaltung hatten mich gebeten, im Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung auf eine Bewertung des SX-Bahn-Konzeptes zu dringen. Seit einigen Tagen liegt nun eine Stellungnahme des Ministeriums vor. Eines scheint klar zu sein: Mit einer schnellen Umsetzung ist nicht zu rechnen.“ Das Ministerium hat eine Reihe von Vor- und Nachteilen des SX-Bahn-Konzeptes herausgearbeitet. Während bei einigen Vorteilen durchaus Übereinstimmungen zwischen dem Ministerium und den Autoren erkennbar sind, gibt es in Hinblick auf die technische Machbarkeit und die Finanzierbarkeit erhebliche Unterschiede. Der Hauptvorteil würde darin liegen, dass mehr Bahnhöfe im Umland Berlins mit einem 20-Minuten-Takt an die Metropole angebunden werden. Allerdings wiegen die Nachteile schwer. Das Ministerium berechnet Mehrkosten für die SX-Bahn von 40,3 Millionen Euro. Dazu steht in der Stellungnahme: „Es ist derzeit nicht absehbar, dass Berlin oder Brandenburg zusätzliche Mittel in der erforderlichen Größenordnung aufbringen können.“ Die von den Autoren des Konzeptes ins Feld geführte Kostenneutralität sei nicht realisierbar. Nach dem Konzept sollen die Mehrkosten durch die zusätzlichen 4 Millionen Zugkilometer über den Einsatz neuer Technik aufgefangen werden. Da vergleichbare Einsparungen beim Einsatz neuer Technik im RB-Bahn-Konzept ebenfalls erzielbar wären, geht der Vorteil der SX-Bahn verloren. Auch die Einsparungen aus dem Wegfall bisheriger RB-Bahn-Leistungen sind wegen bestehender Verträge nicht kurzfristig realisierbar. In Frage gestellt wird durch das Ministerium auch die technische Machbarkeit auf den bisher verfügbaren Gleisen: „Die Hamburger Bahn ist durch die Angebotssteigerungen im Fernverkehr….nahezu bis zur Kapazitätsgrenze ausgelastet.“ Auch auf Qualitative Nachteile wird durch das Ministerium hingewiesen. So würde nach dem SX-Bahn-Konzept der Halt des RE4 in Falkensee entfallen. Außerdem gäbe es keine direkte Verbindung zwischen Falkensee und der Stadtbahn Richtung Zoologischer Garten, Friedrichstraße und Alexanderplatz – die SX-Bahn würde durch den Nord-Süd-Tunnel in Richtung Potsdamer Platz geführt werden. Heiko Müller: „Nach meiner Erfahrung ist nicht damit zu rechnen, dass dieses SX-Bahn-Konzept in absehbarere Zeit umgesetzt wird. Bestehende Verträge, Kapazitätsprobleme im Schienennetz und vor allem die Frage der Finanzierbarkeit stehen dem entgegen. Auch qualitative Verschlechterungen für Fahrgäste zu den Bahnhöfen Zoologischer Garten, Friedrichstraße, Alexanderplatz, Ostbahnhof und Schönefeld fallen ins Gewicht. Das sind Argumente, die nicht so leicht vom Tisch zu wischen sind.“
 
 

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